27 Aug 2012

Rekordschmelze in der Arktis

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Die Befürchtungen der Wissenschaftler über eine Rekord-Eisschmelze im arktischen Ozean haben sich offenbar bewahrheitet: Nach Berechnungen des Eisforschungszentrums an der Universität Colorado wurde am Wochenende der historische Niedrigstand von 4,1 Millionen Quadratkilometern Eisfläche gemessen. Dies sind 70.000 Quadratkilometer weniger als der bisherige Minusrekord vom September 2007.

Wie das National Snow and Ice Data Center der Universität von Colorado in Bolder am Montag mitteilte, lag die Sommereisfläche im arktischen Ozean am Sonntag nur noch bei 4,1 Millionen Quadratkiliometern. Am 18. September 2007 waren 4,17 Millionen Quadratkilometer errechnet worden. Grundlage der Berechnungen sind Satellitenaufnahmen. Besorgniserregend ist, dass der Minimalstand normalerweise erst in der zweiten oder dritten Septemberwoche erreicht wird. Dies bedeutet, dass die Eisfläche noch weiter schwinden könnte, möglicherweise unter vier Millionen Quadratkilometer. Hier der Link zur Presseerklärung des NISDC:

http://nsidc.org/news/press/20120827_2012extentbreaks2007record.html

Schon seit Wochen hatten die Daten darauf hingedeutet, dass der Arktische Ozean in diesem Sommer den größten Schwund der Meereisfläche seit Beginn der Messungen in den 70er Jahren erleben könnte. Anfang August hatten Eisforscher vom KlimaCampus der Universität Hamburg um Lars Kaleschke errechnet, dass die Fläche auf 4,1 Millionen Quadratkilometer sinken könnte, „der geringste Wert seit Beginn der Satellitenmessungen in den 1970er Jahren“, teilte der KlimaCampus damals mit. Die Marke scheint nun bereits deutlich vor Ende des arktischen Sommers erreicht zu sein.

„Wenn wir sehen, wieviel Eis täglich schmilzt, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir dieses Jahr ein neues Rekordtief erreichen“, hatte Julienne Stroeve, Wissenschaftlerin am US-amerikanischen National Ice and Snow Data Center (NISDC) der Universität Colorado in Boulder, vor wenigen Tagen erklärt. Auch jetzt meldet das NISDC, dass das Eis weiterhin schneller schmilzt als in frpheren Jahren. Der durchschnittliche Eisverlust liege bei 75.000 Quadratkilometern pro Tag, gegenüber einer „normalen“ Rate von täglich 40.000 Quadratkilometern.

Wegen unterschiedlicher Messmethoden und Definitionen von Eisfläche und -ausdehnung variieren die Zahlen über die Eisfläche. So ermittelte NISDC im September 2007  4,17 Millionen Quadratkilometer. Kaleschke dagegen gibt das Rekordminus von 2007 mit 4,3 Millionen Quadratkilometern an, wovon auch das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven ausgeht. Im vergangenen Jahr hatte NISDC 4,33 Millionen Quadratkilometer errechnet, Forscher der Universität Bremen dagegen von 4,24 Millionen Quadratkilometern. Je fragmentierter das Eis ist, umso schwerer ist die Kalkulation.

Arktisches Meereis friert und schmilzt in einem Jahreszyklus. Die niedrigste Ausdehnung wird am Ende des Sommers im September erreicht. Allerdings waren von 1979 bis 2000 durchschnittlich immer noch 6,71 Millionen Quadratkilometer des Arktischen Ozeans eisbedeckt. Ab September bildet sich neues Eis. Die größte Ausdehnung wird im April erreicht. Dann liegt die Eisfläche bei 14 Millionen bis 15 Millionen Quadratkilometern.

Schon seit Juni deutete sich der enorme Eisverlust an. Seitdem liegen die Messdaten unter denen des bisherigen Rekordjahres 2007. Gefördert wurde der Eisverlust durch einen starken Sturm Anfang August.

Das schmelzende Meereis sei „eine der sichtbarsten frühen Auswirkungen von Klimawandel“, sagte Clive Tesar vom Arktis-Programm der Umweltschutzorganisation WWF. „Der Eisverlust beeinflusst das arktische Leben und das Leben der Menschen überall in der Welt.“

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